Unplugged: Alles Gute zum Dreijährigen

Hallo liebes damaliges Ich,

heute vor drei Jahren hast du diesen Blog begonnen. Damals hieß er anders und war für einen ganz anderen Zweck gemacht. Vermutlich ist die Seite „spoken word“ das Einzige, was vom alten Blog übrig geblieben ist. Darunter befinden sich die ältesten Texte, die dieser Blog zu bieten hat.

Was ist seitdem passiert? Beiträge wurden geschrieben und gelöscht, du hast auf diesem Blog dein Herz ausgeschüttet, in dem angenehmen Wissen, dass die Leute, die es betrifft, den Blog nicht lesen. Entweder, weil sie nichts davon wissen oder, weil es sie nicht interessiert. Und bevor sie wieder darauf aufmerksam werden konnten, waren die relevanten Beiträge schon wieder gelöscht und selbst, wenn nicht: Damals hast du in Metaphern geschrieben, die die meisten überlesen haben.

Du hast einen anderen Blog angefangen, so nebenher. Mit mehr privatem Kram. Weil dieser Blog ganz klar dir zuzuordnen ist, weil das RiotSqrrrl* auch auf Twitter und Instagram ist und viele Leute, die dich kennen, wissen, dass es dein Blog ist. Und das ist ein Hemmnis. Du hast die Leute immer bewundert, die auf ihren Blogs ihr komplettes Privatleben ausbreiten, inklusive der dreckigen Details daraus. Eine lange Zeit hattest du Angst, dass Leute abseits der auserwählten Eingeweihten auch bemerken würden, wer diesen Blog schreibt, denn du hasst es, auf ihn oder seine Inhalte angesprochen zu werden.
Es gab da mal diese Person, die dir auf jeden verdammten deiner Beiträge ein ungefragtes mündliches Feedback gegeben hat und Dinge hineininterpretiert hat, die du nicht so meintest und die die Person nichts angingen (die Person stand aber auch ungefragt vor deiner Haustüre und hat dich ungefragt angefasst und noch viele weitere Dinge ungefragt getan, insofern ist sie der falsche Maßstab). Und da hast du gemerkt, wie schwierig das sein kann, wenn Leute wissen, wer du bist und dich im Offline-Leben auf deinen Blog ansprechen und was denn hier los war und wieso du denn diese Meinung hast und warum du denn nur das geschrieben hast. Manchmal sind Kommentarspalten weniger anstrengend, als die Auseinandersetzung im echten Leben, fällt dir auf.

Und deshalb hattest du das Bedürfnis, eine Plattform abseits dieses Blogs zu haben, weil du so schreibwütig warst und viel in Schriftform erzählen wolltest und irgendwie nicht wusstest, ob dieser Blog dafür das Richtige ist.
Dann hat sich eine seltsame Trennung zwischen Politischem und Privatem eingeschlichen, die du auch mal ganz deutlich so formuliert hast und als dir das aufgefallen war, hast du erstmal gar nichts mehr geschrieben.

Du magst die Texte, die auf dem anderen Blog sind, aber du fühlst dich auch ein wenig komisch, sie zu lesen, weil jede_r sie lesen kann. Und andererseits weißt du nicht, warum du das so streng trennst und warum das RiotSqrrrl* nicht auch mal Privates schreiben sollen dürfte. Ich meine, Eichhörnchen haben auch Gefühle, oder?
Also haderst du, ob du den anderen Blog sofort löscht oder ob du ihn still und heimlich in den Untiefen des Internets untergehen lässt, bis du ihn in einem Anfall von „Aaah, ich muss alles ändern und abschließen“ erst später löscht.

Du hast an diesem Blog hier mehrere Monate nicht geschrieben, manchmal zehn bis fünfzehn Beiträge auf einmal gelöscht. Nach einem unglaublich übergriffigen Kommentar zu einem Text, bei dem es um sexualisierte Gewalt ging, hattest du monatelang eine Schreibblockade und Angst davor, wieder zu schreiben. Seitdem hast du hier nicht mehr wirklich persönliche Dinge rausgelassen und jetzt, findest du, ist es an der Zeit, diesen Kommentar und alles, was damit kam, beiseite zu legen.

Der Blog hat sich mit dir verändert in den drei Jahren. Es ist kein Tagebuch und es ist kein sichtbarer Beweis für deine Entwicklung, weil er fragmentarisch und voller Auslassungen und Leere ist. Aber es ist nie zu spät, das anders zu machen, sich vielleicht etwas komplett Neues zu überlegen oder doch zu alten Formen zurückzukehren.
Wichtig ist nur, dass es den Blog noch gibt, weil er dir nach all der Zeit doch recht viel bedeutet.

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s