Das neue F Mag: Es braucht mehr als „Mach doch einfach“

File 25-03-2017, 11 41 08Bestimmt habt ihr schon vom neuen Magazin aus dem Gruner&Jahr-Verlag gehört, dem F Mag. Laut Beschreibung ist es das „junge Frauenmagazin von Brigitte“ (also der Zeitschrift) und besteht aus drei Rubriken: Politik, Sex und Lametta, was irgendwie gleichzeitig das Motto der Zeitschrift sein soll.

Eine Freundin hat mir davon erzählt und nannte es in ihrer Beschreibung „feministisch“. Daraufhin bin ich zum nächsten Kiosk geeilt und habe mir ein Exemplar gekauft, während ich auf Twitter las, was andere Leute darüber denken. Viele fanden die Optik unansprechend, einige störten sich an den Schriften, meine Timeline war aber großteils irritiert vom Inhalt. Ein irgendwie feministischer Anspruch dahinter ist durchaus zu erkennen, das macht es aber noch nicht zu einem guten Magazin.

Ich weiß, auch Texte, die nicht durchgängig gegendert sind, können gut sein, aber: als Magazin für junge Frauen, das einen kritischen Blick auf Geschlechterstrukturen werfen will, ständig das generische Maskulinum und fast nie eine Form zu verwenden, die auch trans- und nichtbinäre Identitäten miteinschließt, ist durchaus bitter. Von der Rückseite des Magazins strahlt eine_n der Opel Adams an, zusammen mit dem „Germany’s Next Topmodel“-Logo. Aber man soll sich ja nicht von sog. „Äußerlichkeiten“ beeindrucken lassen. Also: Magazin aufgeblättert und gelesen.

Die Texte sind geprägt von einer „Mach doch einfach!“-Haltung, was ich eigentlich immer gut finde. Aber für ein spannendes, politisches, feministisches Magazin braucht es meiner Meinung nach auch ein wenig Analyse der Frage „Warum kannst du nicht einfach machen?“, das gehört für mich in die „gründliche Analyse“ mit hinein, auf die die Macherinnen laut Seite 4 so stehen. Stattdessen geht es an allen Ecken und Enden eigentlich um Frauen, die eben machen, egal, mit welcher Motivation die das machen.
Und genau hier liegt der weitere Fehler: Allzu oft werden Frauen, die „was machen“, mit Feministinnen verwechselt. Aber Feminismus wird geprägt von und ist vielleicht auch zum Teil eine ganz dezidierte Motivation. Und zu dieser Motivation gehört, denke ich, auch mehr als „Ich mach was Eigenes.“ und „Ich scheiß auf die Struktur.“ Zu dieser Motivation gehört ein Verständnis von gesellschaftlichen Ungleichheitsstrukturen und politischen Bewegungen, außerdem eine grundsätzlich antikapitalistische Haltung. Die scheint aber komplett zwischen Sex und Lametta verloren gegangen zu sein.

Letztendlich fragt man sich, für wen das Magazin gemacht wird. Für linke Feministinnen jedenfalls nicht und auch sonst fallen mir sehr wenige Leute ein, denen das Magazin irgendetwas bieten kann. Vielleicht eben Personen, die sowieso schon die Brigitte lesen würden, denen die Brigitte aber zu viel Tipps zum Schlankwerden, Promi-News und einen zu klein ausfallenden Politikteil hat? Immerhin, das F-Mag erklärt Frauen zumindest nicht direkt, wie sie zu sein haben sollen (außer natürlich, dass sie „was machen“ sollen), dafür werden die Erwartungen an Frauen indirekt umso stärker transportiert durch Bildsprache bspw.

Das F Mag will ein Magazin sein für Menschen mit einem Wunsch nach Analyse und „kluger Unterhaltung“ und für Leute, die lesen wollen, was junge Frauen draufhaben. Den letzten Punkt hat das Magazin definitiv verwirklicht, auch wenn ich mich frage, was das bringen soll. Etwas draufzuhaben spricht jetzt noch nicht unbedingt für oder gegen eine Person, die Frage ist ja viel mehr, was die Person dann draufhat.

Und die ersten beiden Punkte haben die Macherinnen in ihrer ersten Ausgabe leider ziemlich runterfallen lassen. Ich finde in dem Magazin keinerlei Analyse und ich finde auch keine „kluge Unterhaltung“ (vielleicht meinten sie damit die Seite „Style und das Geld“ voller „bosshafter Weisheiten“?).
Eigentlich ist das Magazin ein super Beispiel dafür, was passiert, wenn jemand den Plan verfolgt „Politik/Feminismus wieder sexy“ zu machen. Ich finde Politik/Feminismus, der unsexy, dafür radikal („radikal“ nicht im Sinne von rad-fems) und inhaltlich gut fundiert ist, spannender, spaßiger und wichtiger, als das x-te Magazin, das über Frauen schreibt, die eben „was machen“. Denn das F Mag ist leider bisher nicht mehr, als das (aber was nicht ist, kann ja noch werden).

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