Nach der Vergewaltigung an der LMU

Die markierten Links führen meist zu Artikeln, die detailliert von der Vergewaltigung berichten.

Wer in München wohnt oder studiert, hat bestimmt mitbekommen, dass letzte Woche Freitag eine Studentin an der LMU vergewaltigt wurde. Am Montag kam der Täter zurück und versuchte, erneut auf demselben Klo jemanden zu vergewaltigen. Daraufhin wurde er festgenommen und sitzt jetzt in Untersuchungshaft.
Nach dem Vorfall habe ich mit Kommilitoninnen und Freundinnen darüber gesprochen, was da passiert ist und was das eigentlich mit uns macht. Vergewaltigungen sind trauriger Alltag, weltweit. Und trotzdem erschüttert es, wenn an der Uni auf der Toilette, die man ebenfalls mehrmals pro Woche aufsucht, jemand vergewaltigt wird – an einem „ganz normalen“ Freitagnachmittag. Es erschüttert deshalb auf eine andere Art und Weise, weil es die Möglichkeit vergewaltigt zu werden in unmittelbare Nähe rückt, weil wir uns dann wieder erinnern: Richtig, es kann jederzeit passieren. Das heißt natürlich nicht, dass mich andere Fälle von Vergewaltigung nicht schocken und beschäftigen.

Unter anderem deshalb ist Solidarität ja so wichtig und ein Bewusstsein dafür, dass es niemals die Schuld von Betroffenen ist und dass Rape Culture überall ist. Alle meine Dozenten haben das Thema ignoriert, nichts dazu gesagt, sich nicht dazu verhalten. Mit Ausnahme eines einzigen, der am Anfang des Seminars den Raum geöffnet hat, um über das Geschehene zu sprechen. Er sagte, wir könnten auch über Fragen von Verantwortung sprechen: Es ist klar, dass die offiziellen Stellen (Universitätsleitung, usw.) Verantwortung übernehmen und sich bestimmte Fragen stellen müssen.

Wichtig ist aber auch die Frage, welche Verantwortung die Universitätsgemeinschaft übernehmen kann und damit auch Studierende. Damit das nicht missverstanden wird: Verantwortung bezieht sich damit nicht unbedingt auf das, was geschehen ist, sondern die Art und Weise, wie damit umgegangen wird. Diese Sichtweise fand ich spannend, weil es eigentlich der Umgang immer so funktioniert, dass Studierende zwei Tage über solche Vorfälle sprechen und entsetzt sind, dann aber setzt das Vergessen ein. Viele Studierende wollen sich selbst als unpolitisch begreifen und mit solch einer Selbstwahrnehmung kann natürlich auch kein Gefühl für Solidarität und Kollektivität entstehen.

Ich habe daraufhin überlegt, wie eine Universitätsgemeinschaft Verantwortung übernehmen könnte. Wichtig ist natürlich im ersten Schritt Solidarität mit der Betroffenen zu zeigen – sofern sie das will. Aber was dann – und wie? An einer Uni, an der es noch nicht einmal mehr Hochschulgruppen gibt, an der politische Arbeit regelmäßig behindert wird, scheint es schwer über Verantwortung und Rape Culture zu diskutieren.

Genau das wäre aber ein nächster notwendiger Schritt: Darüber zu diskutieren, wie solche Vorfälle verhindert werden, was für eine Sensibilisierung der Studierenden für diese Themen notwendig ist. Es muss Raum geschaffen werden, um darüber zu sprechen. Das scheint aber gerade nicht in Sicht, sind doch bereits alle wieder zum Alltag übergegangen.
Es wäre notwendig, dass Studierende sich darüber austauschen, wie sie sich gemeinsam und kollektiv vor sexualisierter Gewalt schützen können und was ein solidarisches Verhalten in einem solchen Fall überhaupt ist. Wir müssen über Strategien von Selbstschutz sprechen, weil man, wie auch dieser Fall zeigt, von großen Teilen der Gesellschaft keine Hilfe und Unterstützung erwarten kann.

Ein wenig ärgere ich mich, weil ich die Gelegenheit, die mir der Dozent gegeben hatte, um meine jetzt hier aufgeworfenen Fragen im Seminar zu thematisieren, nicht genutzt habe. Aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass er sich dazu verhalten würde. Und das ist traurig: Dass man nicht einmal mehr erwarten kann, einen Raum für Austausch und Diskussion zu bekommen. Dass man allein gelassen wird mit seinen Fragen.
Ich habe keinen Kontakt zu der Betroffenen, aber ich hoffe einfach, dass sie als Betroffene nicht alleine gelassen wird und sie die notwendige Unterstützung erfährt. Denn das ist das Wichtigste.

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