Unplugged: Ein vorausschauender Rückschritt

Es ist ja nun Ende November, für mich wohl das letzte Mal, um nochmal durchzuatmen vor dem Dezember. Das Eigenartige an meinem Dezember ist das immer wiederkehrende Phänomen, dass anfangs der ganze Dezember die entspannteste Zeit des Jahres zu werden scheint: Einmal kurz in die Stadt, Geschenke shoppen, ansonsten eben normal-stressiger Alltag, nichts Besonderes.

Bisher habe ich noch nicht genau herausgefunden, wieso es der Dezember trotzdem jedes Jahr aufs Neue schafft, der stressigste Monat im Jahr zu werden, obwohl ich auch keine Person bin, die sich dem ultimativen Weihnachtsstress hingibt, jeden Tag Plätzchen bäckt, nur noch suchend durch die Stadt läuft und meint, die gesamte Weihnachtspause über müssen genug Bücher da sein, um sich für irgendwelche Hausarbeiten vorzubereiten.

Jedenfalls wollte ich ja durchatmen. Das habe ich den ganzen November über kaum gemacht, weil plötzlich irgendwelche Deadlines kamen, die es sonst in meinem gesamten Studium noch nie gab, so etwas wie Essay-Deadlines mitten im Semester beispielsweise.
In Hamburg habe ich es geschafft, bestimmte (kreative) Projekte anzupacken. Dazu gehörte mein erstes eigenes Zine (dessen Texte nun seit zwei Monaten unangetastet in einem Ordner auf meinem Laptop vergammeln), grundlegende Änderungen in meinem Tagesablauf (Stichwort: Zeit für Frühstück und zum Zeitung/Internet lesen), leckere Sachen kochen und die auf meinen damals neu erschaffenen Instagram-Account stellen und für eine sehr kurze Weile sogar Freeletics (Never again, I promise!).

Dann kam ich wieder hierher, hatte mir viel vorgenommen, zum Beispiel das Veröffentlichen meines ersten Zines, Zeit für Training, Zeit zum Bücher, auch Prosa lesen, diesen Blog, Dinge, die Spaß machen. Es gab sogar eine Liste in meinem Bullet Journal dafür (es sei an dieser Stelle gestattet, entnervt die Augen zu verdrehen). Und irgendwie ist das Meiste davon verloren gegangen zwischen Uni-Texten, Politik machen, abends ausgelaugt Serien schauen, weil ich nach 10 Stunden Arbeit und Uni meistens keinen Kopf mehr für schöne und kluge Worte habe, zum Schreiben oder Kochen, sondern einfach nurnoch in meinem Bett liegen und versumpfen will. Dabei ist es nicht sonderlich hilfreich, dass Netflix beschlossen hat, eine neue Staffel Gilmore Girls herauszubringen, gerade dann, als ich dachte, ich hätte bald das Ende der Serie erreicht und damit auch das Ende des Zwanges jede freie Minute für Gilmore Girls zu opfern.

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Für mich ist es in Ordnung, an dem Widerspruch zwischen Anspruch und Realität oft, sogar meistens zu scheitern, denn meine Ansprüche sind unerfüllbar und das wissen alle, am allermeisten ich selbst. Aber trotzdem habe ich ein paar Neuerungen eingeführt, die mir dabei helfen sollen, „ZfD“ (wie eine Freundin und ich es früher nannten, die Abkürzung für „Zeit für Dich“) durchzusetzen. Das sind zum Beispiel Tage, die ich mir im Kalender als solche markiere, an denen ich mir den kompletten Tag Zeit zum Texte abseits der Uni lesen nehme oder Abende, die ich fest für Freund_innen einplane, manchmal auch Abende, die ich schon ein oder zwei Wochen vorher als solche blocke, an denen ich ausgiebig kochen oder mal was backen will.

Das größte Problem ist, glaube ich, meine nun schon gefühlt eine Ewigkeit anhaltende halbe Schreibblockade. Halb nur deshalb, weil ich schon Seminararbeiten und Hausarbeiten verfassen und ab und zu einen Text auf meinen Blog stellen kann, aber das nur nach tagelangem vor mir Herschieben, nach endloser Überwindung und nur, wenn die Folge Gilmore Girls dann mal wirklich nicht so prickelnd war. Tatsächlich ist diese Zeit, in der ich mich kaum bewegen kann, weil ich müde bin, ziemlich nervtötend und präsent in meinem momentanen Tagesablauf. Dabei würde ich richtig gerne an einer Geschichte weiterschreiben, die ich vor ein paar Monaten mal angefangen habe, ich würde gerne irgendwie klug das Weltgeschehen in mehr, als 140 Zeichen kommentieren oder die fehlenden Texte für mein Zine schreiben. Und dann sind da noch diese spannenden Call for papers, bei denen ich manchmal und zu bestimmten Themen auch gerne etwas einreichen würde.

Naja, der Plan ist jedenfalls, wenn ich die alte 7. Staffel Gilmore Girls fertiggeschaut habe (was in ein paar Tagen der Fall sein wird), keine neue, so packende Serie mehr anzufangen und stattdessen diese vielen tollen Bücher, die sich ungelesen in meinem Regal tummeln, zu verschlingen und zu lernen, sehr billig grandios zu kochen, denn im Moment habe ich tatsächlich für vegane „Extra“-Produkte kaum noch Geld übrig.

Wer mir bei meiner Schreibblockade helfen kann und eine Idee hat, wie ich diese Prokrastinationszeit so ein bisschen weniger werden lassen kann, möge sich melden. Prokrastination ist zwar für mich wichtig und ich mache das gerne und finde es richtig, aber so viel, wie momentan, tut mir nicht gut.

Denn es ist weniger Prokrastination als vielmehr die Angst, von der Stille erwartungsvoll angestarrt zu werden. Sie fragt mich „Na, was machst du als Nächstes? Wo geht es hin? Hast du schon das und das erledigt?“ und bevor ich mir das anhören muss, mache ich lieber sofort, wenn ich zuhause bin, Netflix an und höre, denke gar nichts mehr. Aber das ist so eine uralte Sache, das habe ich seit Jahren, diese Angst vor der Stille, vor den Zweifeln, die sie aufwirft.
Und eigentlich denke ich, dass es gerade jetzt an der Zeit wäre, mich zu fragen, wo es hingeht.

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