Solidarität mit Gina-Lisa Lohfink!

In der Debatte um die Frage, was eine Vergewaltigung ist, die auf den Schultern von Gina-Lisa Lohfink ausgetragen wird, zeigt sich vieles, unter anderem das Resultat einer rassistisch geführten Debatte um die Kölner Silvesternacht: Vor einem halben Jahr bekannten sich plötzlich sämtliche Leute zum Kampf gegen sexualisierte Gewalt, die ansonsten nichts mit Antisexismus, Feminismus und emanzipatorischer Politik am Hut haben wollen. Das taten sie auch nicht aus Solidarität mit FLIT-Personen, die sexualisierte Gewalt erfahren, sondern sie verschrieben sich oftmals dem „Schutz der deutschen, weißen Frau“ vor – und das ist wichtig – den nicht-weißen, nicht-deutsch klassifizierten Tätern. Wäre die Debatte damals anders geführt worden und wären Leuten Rape Culture und Sexismus tatsächlich ein Dorn im Auge, ein Zustand, der abgeschafft gehört, würde auch die Debatte um die Vergewaltigung von Gina-Lisa Lohfink vermutlich anders aussehen.

Nun, wo Gina-Lisa Lohfink in den Augen der Justiz und Gesellschaft kein passendes Opfer hergibt und wo der Diskurs über die Tat nicht rassistisch aufgeladen werden kann, kehrt die Debatte um sexualisierte Gewalt wieder dorthin zurück, wo sie schon immer war und wird geführt, wie sie immer geführt wird:

Voller Victim-Blaming, voller Anzweifelungen der Tat. Diese Debatte wäre für jeden Defma-Workshop ein Paradebeispiel, weil sich an ihr die Elemente einer Rape Culture wahnsinnig gut aufzeigen lassen. Victim-Blaming wird durch die Beschuldigung der Falschaussage und das Gerede über Lohfinks Vergangenheit (die übrigens vollkommen irrelevant für die Glaubwürdigkeit einer Person ist!) auf die Spitze getrieben. Was mich tatsächlich richtig schockiert, ist, dass es ein Video (!) der Tat gibt (das man sich nicht anschauen sollte, weil Gina-Lisa Lohfink das ausdrücklich nicht möchte) und TROTZDEM so viele Leute ihr „Nein“ anzweifeln. Und das wiederum liegt am deutschen Recht, nach dem sich Personen wehren müssen, damit eine Vergewaltigung als Vergewaltigung verhandelt wird, was Verantwortlichkeit natürlich wieder hin zu den Betroffenen schiebt.

Es gibt momentan glücklicherweise neben all dem Bullshit in sämtlichen Medien auch viele spannende Artikel zu dem Fall, die jeweils unterschiedliche Dinge benennen und thematisieren. Wirklich toll fand ich den Artikel von Nadia Shehadeh, der die Berichterstattung über Gina-Lisa Lohfink in den Fokus rückt und die Frage nach der gesellschaftlichen Bedeutung und dem Wert von „Hör auf!“ stellt.

Dass die Reform des Sexualstrafrechts möglicherweise die juristische Tortur zukünftig verhindern könnte, durch die Gina-Lisa Lohfink jetzt gehen muss, zeigt Edition F in ihrem Artikel, der den Link zur Gesetzesänderung herstellt. Auch wenn das Gesetz Rape Culture nicht beenden und nur bedingt eindämmen wird, wäre es entscheidender Schritt, um ein „Nein“ als das anzuerkennen, was es ist: Ein „Nein“.

Und ein weiterer schöner, wütender Kommentar ist auf pinkstinks erschienen: Das, was Gina-Lisa Lohnfink gerade widerfährt, „die Art wie wir mit dem Thema sexualisierte Gewalt umgehen entlarvt unsere Gesellschaft als eine zutiefst sexistische, bigotte Gemeinschaft“. Das dürfte es wohl ganz gut treffen.

Es gibt übrigens auch am 27. Juni, dem nächsten Prozesstag von Gina-Lisa Lohfink eine Solidaritätsdemonstration in Berlin (der Link führt zu einer Facebook-Seite)

Solidarität mit Gina-Lisa Lohfink und Betroffenen von sexualisierter Gewalt!

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Damit wir uns alle nochmal daran erinnern! via http://swiggity-switchface.tumblr.com/post/101995380576/posted-in-the-student-union

 

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