„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ – John Green (review)

imageIch bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, dieses Buch war ein großer Erfolg, auch vor dem Hype um den Film, der erscheinen wird.
Mir persönlich wurde das Buch vor etwas mehr, als einem Jahr ans Herz gelegt, aber ich verschob es, wie so viele Bücher, auf „nach…“. Aber die Tatsache, dass ich es bei Hugendubel so unschuldig im Regal als Taschenbuch sah, erinnerte mich erneut daran, dass ich es unbedingt lesen wollte, weil damals viele meiner Freund_innen wirklich begeistert davon waren.
So kaufte ich es und legte mich sofort in mein Bett, um es zu lesen…
Jetzt, wo es zu Ende ist, liege ich im Bett und habe das Gefühl, fertig mit der Welt zu sein.
Die Süddeutsche Zeitung hatte wohl Recht, als sie darüber schrieb
„Wer hier nicht weint und nicht lacht, fühlt wohl schon lange nichts mehr… Das ist kein Jugendbuch, sondern Literatur für alle – anmutig, komisch, kostbar.“, denn ich kann mir keinen Menschen vorstellen, den dieses Buch nicht zumindest ein bisschen berührt.

Die Zusammenfassung der Geschichte, die in meiner Ausgabe steht, lautet:

„Hazel Grace und Augustus lernen sich in einer Selbsthilfegruppe für Krebspatienten kennen und fühlen sich vom ersten Augenblick an vom anderen angezogen. Hazel liebt Gus für seine Schlagfertigkeit und für seine offensive Art, wie er mit seinem Schicksal umgeht. Und Augustus baggert Hazel auf seine charmant witzige Art an, als gäbe es kein Morgen. Aber Hazel hat Angst. Sie will für niemanden eine tickende Zeitbombe sein, und genau so fühlt sie sich in ihrer Erkrankung. Doch dann kann sie sich Gus´ Charme nicht mehr entziehen, der ihr einen ihrer größten Wünsche erfüllt und sie kurzerhand nach Amsterdam entführt. So furchtbar ihre Diagnosen sind, Hazel und Augustus feiern das Leben und die Liebe und kosten die kurze Zeit, die ihnen bleibt, jede Sekunde aus.“

Diese Zusammenfassung ist wohl das Schlechteste, was ich im Buch finden konnte, denn meiner Meinung nach wird die Geschichte hier auf eine pure Liebschaft reduziert, dabei steckt viel mehr dahinter.
Hazel Grace und Augustus Waters haben komplett unterschiedliche Attitüden und unterschiedliche Arten, mit ihrer Krankheit umzugehen. Augustus verliebt sich sofort in Hazel, als er sie in der Selbsthilfegruppe kennenlernt und auch Hazel Grace fühlt sich von ihm angezogen, aber ihre Angst – wie schon in der Zusammenfassung steht – eine Zeitbombe für jemanden darzustellen, ist zu groß und so versucht sie ziemlich lange, die Distanz zu wahren, was ihr aber nicht mehr gelingt. Die beiden reisen nach Amsterdam, um den Autoren von Hazels (und wohl irgendwie später auch Augustus´) Lieblingsbuch zu besuchen und sowohl das Buch, als auch der Autor selbst spielen in der Geschichte Schlüsselrollen. Es passiert auch um die beiden herum sehr viel, es passiert viel zwischen und mit den beiden, so wäre es ein fataler Fehler, das Buch als pure Romanze zu betrachten.

In dem Buch kommen die unterschiedlichsten Themen vor: verlorene Leben, erwiderte Liebe, das Universum, Krebs und was er aus einem Menschen macht, der Tod, Sprache, unterschiedliche Lebenseinstellungen… das Buch besteht aus verschiedenen, tiefgründigen Gedankengängen, die überwiegend ausgetauscht werden von zwei jungen Menschen oder gedacht werden, sodass diese Inhalte eher eingestreut, als behandelt, werden. So beschäftigt sich der_die Leser_in unweigerlich ebenfalls mit bestimmten Fragen, aber in der Geschichte werden sie auf eine gewisse Art und Weise immer locker und mit einer gewissen Leichtigkeit und Humor dargestellt. Man findet sich zudem in Hazel und Augustus sehr oft wieder in dem, was sie denken, glauben und fühlen.
Es ist keine Erzählung, in der nur Tod oder Krebs Raum bekommen, sondern es geht um Menschen, die damit konfrontiert sind und ihren Umgang damit, was man auch daran bemerkt, dass die Familien von Hazel und Augustus ebenfalls stark ins Blickfeld gezogen werden.
Das Buch macht zweifellos nachdenklich, aber es war ebenso die Ursache für Lachtränen und – wer liest, kennt das bestimmt – dieses vollkommen einzigartige Gefühl, das man manchmal bei wirklich unfassbar wundervollen Büchern bekommt, die mitreißen und eine… vielleicht nenne ich es mal „Ergriffenheit“ irgendwo tief bei einem selbst hervorrufen. Ich habe mich während dem Lesen vollkommen darin verlieren können und fand es großartig, dass ich dabei so viel lachen und weinen konnte, dass es mich einfach so mitgenommen hat zu den Menschen, um die es geht.

Bei Hazel kommt in der Geschichte ein Gedanken auf, den ich selbst schon oft hatte (eigentlich bringt sie sehr oft Gedanken und Fragen in ihre Erzählung ein, die jede_r wohl schon oft hatte):

„Mein Lieblingsbuch war mit großem Abstand „Ein herrschaftliches Leiden“, aber ich erzählte anderen Leuten nicht gerne davon. Manchmal liest man ein Buch, und es erfüllt einen mit diesem seltsamen Missionstrieb, und du bist überzeugt, dass diese kaputte Welt nur geheilt werden kann, wenn alle Menschen dieser Erde dieses eine Buch gelesen haben. Und dann gibt es Bücher wie „Ein herrschaftliches Leiden“, über die du mit niemandem reden willst, weil das Buch so besonders und kostbar und so persönlich für dich ist, dass darüber zu reden sich wie Verrat anfühlt.“

Ich denke im Moment noch darüber nach, zu welcher Sorte dieses Buch gehört und, auch wenn ich gerade eher denke, es gehört zu der zweiten Gruppe von Büchern, gebe ich jeder Person den Rat, es zu lesen (vor allem, bevor der Film erscheint, bei dem ich mir nicht vorstellen kann, dass er im Ansatz an die Größe dieses Buches herankommt).

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2 Kommentare zu „„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ – John Green (review)

  1. Klingt nicht schlecht. Erst gestern stand ich im Buchladen davor und hab es nicht gekauft, weil eben der Klappentext mich abschreckte. Dank Deiner Rezension werde ich es vermutlich doch kaufen :-)

    1. Der Klappentext stellt alles wirklich zu simpel dar! Es ist ein tolles Buch und lesen lohnt sich ganz bestimmt :)

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