No Diet Talk!

Yoga-Posen und Katzen-GIFs

Veganismus funktioniert momentan oft als Lifestyle, bei dem man sich dafür entscheidet nur noch #healthyfood zu essen, fitter zu werden und mindestens 15 Kilo abzunehmen.
Das ist nicht mein Veganismus, denn besagter Veganismus zielt meistens auf Selbstoptiminierung auf neoliberale Art und Weise ab, verkörpert und propagiert eklatant Schlankheitswahn und kümmert sich wenig um Veganismus als emanzipatorische Politik. Ich bin diese Blogs über Veganismus leid, die in regelmäßiger Abfolge veganes Essen, esoterisch-reaktionäre Inhalte, Bilder vom eigenen superkrass trainierten und schlanken Körper in Yoga-Posen und Katzen-GIFs posten.

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Gefunden bei: http://anneatomy.tumblr.com

Vielen dieser Veganer_innen geht es scheinbar nur darum, sich möglichst gesund zu halten, dünn zu bleiben, alle Rezepte von Attila Hildmann nachzukochen und ihre drei True Fruits-Smoothies am Tag zu trinken. Dass beispielsweise True Fruits eine Firma ist, die mehrmals durch sexistische, lookistische und rassistische Werbung aufgefallen ist und dass Attila Heldmann ständig reaktionären Bockmist verzapft, interessiert sie nicht.
Der politische Aspekt von Veganismus wird vollkommen ausgeblendet, genauso wie die Frage nach den Hersteller_innen des veganen Essens. Das führt dann dazu, dass Leute, Firmen usw. gefeatured werden, die sich vollkommen antiemanzipatorisch verhalten und ekelhafte Inhalte verbreiten (ein Blog, der darüber viel Auskunft gibt, ist beispielsweise Indyvegan).

Neoliberale Körperoptimierung

Veganismus ist meiner Meinung nach politisch und sollte sich auch bewusst als emanzipatorisch und aktivistisch begreifen. Deshalb muss er sich auch gegen fat shaming, Schlankheitswahn, Lookismus und neoliberale Körperoptimierung wenden.
Gesundheit ist eine Vorstellung, die von den aktuellen gesellschaftlichen Zuständen abhängt. Was gesund ist und was nicht, ab wann Dicksein als „krankhaft“ klassifiziert wird, ändert sich alle paar Jahre und ist sowieso absolut nicht objektiv.
Indem ständig Gesundheit und Dünnsein als Werte hochgehalten werden und sich Leute damit profilieren, werden andere marginalisiert und außerdem pathologisiert, obwohl sie sich selbst wohl fühlen und kein Problem mit ihrem Aussehen hätten – wären da nicht gesellschaftlicher Druck und Diskriminierung.
Die eben genannten Werte sind ohnehin erfolgreich wirksam als gesellschaftliche Normen, die notwendigerweise zu Ausgrenzung führen, weil es immer „Nicht-Gesunde“ und „Nicht-Dünne“ geben muss. Insofern sollten Veganer_innen mit emanzipatorischem Anspruch Abstand davon nehmen, sich mit ihnen zu identifizieren.

My body, my choice! Your body, your choice!

Leute sollten selbst darüber entscheiden, wie sie mit ihrem Körper umgehen.
Mein Blog kümmert sich also nicht um Kalorien in den Rezepten, die ich blogge und das ist gut so. Essen, das ich esse, muss nicht gesund sein, es muss lecker sein und satt machen. Ich will keine Fragen darüber hören, ob sich Essen mit einer „low carb“-Ernährung verträgt oder wieso ich nicht auf Zucker verzichte.
Ich begreife meinen Veganismus als politisch und emanzipatorisch. Und das bedeutet auch, dass ich für diesen ganzen Hype um schlanke Körper und Gesundheit um jeden Preis absolut keinen Nerv hab.

Für mehr veganes, fettiges Fast- und Junkfood!

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Ebenfalls von: http://anneatomy.tumblr.com

Bullet Journaling

Ich bin zugegebenermaßen ein ziemliches Planungsmonster. Ich brauche für alles einen Plan, eine Liste und will man mich irgendwo antreffen, muss man das früh genug mit mir absprechen, denn Spontaneität ist leider etwas, das ich noch lernen muss (wobei ich Fortschritte mache).
Nun gab es für mich immer das Problem, dass ich nicht so richtig wusste, wie ich mich organisieren sollte. Ich hatte einen Kalender, vier Notizbücher und bestimmt mehr als 50 Listen, die als Zettelwirtschaft vor sich hin flogen. Bei allen Kalendern, die ich bisher hatte, hat mich irgendetwas gestört, meistens die Platzaufteilung.

Vor einiger Zeit habe ich dann bei ze.tt von Bullet Journaling gelesen und dachte mir, das sollte ich ausprobieren. Bullet Journaling wurde von Ryder Carroll entwickelt, der während seiner Schulzeit immer Notizen hatte, mit denen er letztendlich nichts anfangen konnte. Also hat er eine eigene Art und Weise entwickelt, zu planen und seine Notizen zu organisieren: Das Bullet Journal. Als er seinen Blog eröffnet hat, hat sich Bullet Journaling relativ schnell herumgesprochen, inzwischen gibt es massenhaft Blogs und Videos darüber, wie Leute ihr Bullet Journal führen.

Das Schöne daran ist, dass das Bullet Journal genau so funktioniert, wie der_die Benutzer_in es will, denn er_sie hat es selbst entworfen. Viele Leute gestalten ihre Bullet Journals wunderschön, kleben Bilder ein, zeichnen, denken sich tolle Schriften und Design-Elemente aus. Andere brauchen wiederum ein clean gehaltenes Bullet Journal, wo alles Wichtige auf den ersten Blick sichtbar ist und alles seine klare Struktur hat.

Ich persönlich mag einen Mix aus beidem. Seit etwa zweieinhalb Wochen probiere ich Bullet Journaling aktiv aus und bisher bin ich super glücklich damit. Ich versuche neue Schriften zu lernen und adaptiere viel von anderen (Tumblr-)Blogs, von Pinterest-User_innen und so weiter. Besonders mag ich Bullet Journal Escapades, ein Tumblr-Blog, der superviel Inspiration gibt und wahnsinnig schöne Bilder hat.

Viele Basics habe ich übernommen, also Index (Inhaltsverzeichnis), Monthly Log (eine Monatsübersicht), Daily Log (zwei Seiten pro Woche für alle sieben Tage) und einige Elemente aus dem Key (die Art, wie die unterschiedlichen Inhalte gekennzeichnet werden). Ich versuche, keinen Monat gleich zu gestalten, weil ich bisher noch nicht die für mich perfekte Version gefunden habe und vielleicht die Abwechslung ja auch am besten passt. Ich habe alle meine Listen in das Bullet Journal übertragen, von meinen Urlaubsplänen über mein „To Read“, meine Netflix-, Movies- oder Wunschliste. Sämtliche Projekte sind dort hinein gewandert, auch dieser Blog hat eine Seite zum Brainstormen bekommen. Mein Bullet Journal funktioniert bisher genau so, wie ich es will und das war immer das, worauf es mir ankam.

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Kleiner Einblick in mein September-Log

Zweifellos darf man das Ganze nicht unkritisch betrachten: Was man damit macht, ist letztendlich sich selbst total zu verwalten. Carroll beispielsweise hat in seinem Bullet Journal Food-Tracking integriert und schreibt sich auf, was er gegessen hat. Ich finde die totale Überwachung von eigenen Verhaltensweisen irgendwie fatal, weil man so Zwänge, die eine_n oft leiden lassen, leichter unterstützen und ausbauen kann. Klar, alle können das machen, wie sie wollen, für mich wäre aber beispielsweise ein Foodtracker ganz furchtbar.
Ich habe, um ehrlich zu sein, auch eine Seite in meinem Journal, die ich „Habit Tracker“ nenne (was auch viele andere Bullet Journalists tun). Dort hake ich alle zwei Tage ab (aber erst ab Oktober), ob beispielsweise mein Schreibtisch sauber ist, ob ich gefrühstückt habe oder einfach anderes erledigt habe, was ich eigentlich gerne immer schaffen würde. Bei mir soll der Habit Tracker dafür verantwortlich sein, dass ich Dinge mache, die mir Spaß machen, aber oft runterfallen bei allem Alltagsstress und -zwang. Er soll dazu dienen, einiges zu entschleunigen und dafür zu sorgen, dass ich mich wohler fühle (auch zuhause).

Gleichzeitig muss man sagen, dass Carrolls Anspruch an das eigene Projekt, produktiver zu sein, mehr zu schaffen usw. natürlich eine Haltung ist, die in neoliberalen kapitalistischen Verhältnissen entsteht. Ich kann mich davon auch nicht freisprechen, weil ich oft das Gefühl habe, ich muss mich irgendwie mehr „aktivieren“, dabei mache ich schon wahnsinnig viel. Insofern sollte ich in meinem Bullet Journal noch mehr auf Entschleunigung setzen, als ich es bisher tue. Bullet Journaling klingt nach einem neoliberalen Projekt, ist es aber nur dann, wenn man es zu einem werden lässt (der Vorteil von diesem DIY-Aspekt).

Die Blogs, die mir so bekannt sind, machen dies ziemlich oft. Mit Bullet Journaling scheinen überwiegend Studierende zu arbeiten (oder zumindest diese stellen es ins Internet), die das tun, um mehr zu lernen, mehr Sport zu machen, mehr zu schaffen, von allem irgendwie einfach nur mehr zu tun (esseidenn es sind in ihren Augen schlechte Eigenschaften, dann natürlich weniger). Insofern dient es irgendwie nur der kapitalistischen Selbstoptimierung.

Ich mache es letztendlich bisher so unglaublich gerne, weil es mir damit besser geht einen Überblick über Aufgaben, Pläne und Termine zu behalten und irgendwie alles Mögliche an einem einzigen analogen Ort zu organisieren. Ich habe zwar trotzdem noch das ein oder andere Notizbuch, das sind aber alles Projekte für sich, die nur aus Fließtexten bestehen. Bisher bezweifle ich, dass ich dadurch produktiver werde, das ist auch nicht mein Anspruch daran. Mein Anspruch ist eher Überblick, weil ich ohne Überblick manchmal in handfeste Krisen schlittere. Und mir macht die Gestaltung ziemlich viel Spaß, auch wenn ich ansonsten eher nicht so der Mensch für Zeichnen, Schönschrift und gestalterische Fertigkeiten bin.

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Meine Movie-Liste auf der linken Seite als etwas unbeholfene Film-Streifen und meine Serien-Liste

Falls ihr aber Fans von Überblick seid und den Drang verspürt (besser) zu planen, könnt ihr das ja mal probieren. Die Lösung aller Probleme ist es nicht und man muss aufpassen, dass man das Teil nicht zu einer Selbstkontrollmaschine werden und es in Stress ausarten lässt, aber prinzipiell kann es bei vielem helfen. Eine gute Hilfe beim Anfang ist in jedem Fall das Youtube-Tutorial von Carroll:

Erdbeer-Rhabarber-Blechkuchen

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Im Mai oder Juni habe ich 600 Gramm Rhabarber eingefroren. Ich bin nämlich ein großer Fan von Erdbeer-Rhabarber in allen möglichen Ausführungen und daher wollte ich warten, bis Erdbeer-Saison ist und solange den Rhabarber klein geschnitten aufbewahren und dann erst etwas backen.

Ende Juli habe ich es dann erst geschafft, weil ich für zwei Monate in Hamburg sein würde und vor der Abreise bemerkt habe, dass immernoch der Rhabarber in meinem Gefrierfach lagerte. Also habe ich mir das Rhabarberkuchen-Rezept von cake invasion geschnappt, einem Blog, der großartige Rezepte zur Verfügung stellt und eine eigene Rubrik für vegane Rezepte hat (schade, dass der Blog nicht komplett vegan gehalten wird). Das Rezept habe ich für meine Bedürfnisse etwas abgewandelt:

  • 600 g Rhabarber
  • 400 g Erdbeeren
  • 330 g Mehl
  • 1 Pck. Backpulver
  • 180 g Rohrzucker
  • 1 Pck. Vanillezucker
  • etwas Vanille
  • 100 g gemahlene Haselnüsse oder Mandeln (oder ein Mix aus beidem)
  • 300 ml Mandelmilch (es geht auch Sojamilch, aber mit Mandelmilch schmeckt es feiner)
  • 100 ml geschmacksneutrales Öl
  • je nach Geschmack zwischen 40 g und 70 g gehobelte Mandeln

Den Ofen heizt ihr auf 170° Umluft vor. Dann wascht ihr den Rhabarber und schneidet ihn in ca. 1 cm breite Stücke. Die Erdbeeren wascht ihr ebenfalls und viertelt oder halbiert die Erdbeeren – je nach Größe. Sie sollten etwas größer sein, als die Rhabarberstücke.

Die trockenen Zutaten vermischt ihr mit einem Schneebesen in einer Schüssel (also Mehl, Backpulver, Rohrzucker, Vanillezucker, Vanille und gemahlene Haselnüsse/Mandeln). Dann gebt ihr die Mandel-/Sojamilch und das Öl hinzu und vermengt alles mit dem Schneebesen zu einem einigermaßen glatten Teig. Wenn er zu fest ist, gebt ihr noch etwas Milch hinzu.

Anschließend belegt ihr ein Blech mit Backpapier und verstreicht darauf den Teig, bis er als glatte Fläche vor euch liegt. Dann verteilt ihr den Rhabarber und die Erdbeeren auf dem Teig und streut zum Schluss die gehobelten Mandeln darüber.

Dann schiebt ihr das Blech in den Ofen und lasst den Kuchen 45 Minuten backen. Wenn er abgekühlt ist könnt ihr ihn noch mit Puderzucker bestreuen, ist aber kein Muss.

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Bands: RVIVR und Petrol Girls

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Letzten Mittwoch, also am 20. Juli, haben Rvivr und Petrol Girls im Kafe Kult in München gespielt. Rvivr kannte ich noch von letztem Jahr und Petrol Girls war für mich eine neue Band.
Ich kann nur allen empfehlen, sich diese Bands mal anzuhören, am besten live! Und das sag ich als Person, die eigentlich ungern auf Konzerte geht, weil ich nicht so der Mensch für im Publikum Stehen und mit dem Kopf Nicken oder Tanzen bin.

Aber zu RVIVR wollte ich wieder gehen, weil sie mich letztes Jahr schon so beeindruckt haben. Petrol Girls (Link führt zu einer Facebook-Page) kannte ich bis dahin noch nicht. Die Band aus London macht Raging Feminist Post-Hardcore und wenn es Raging heißt, dann trifft es das in diesem Fall auch voll und ganz. Für mich ist das großartige Musik mit einer großartigen Message bzw. eher sehr vielen Messages. Die Frontfrau hat oft über Depressionen und psychische Zustände, unter denen sie zu leiden hat, gesprochen, was ich sehr beeindruckend fand und hat so die Texte nochmal anders kontextualisiert. Außerdem ging es um patriarchale Verhältnisse, sexualisierte Gewalt, Rassismus, Binarität und tausend andere spannende, politische Themen.

Der krasseste Moment im ganzen Konzert war für mich, wo sie am Ende eines Liedes (ich weiß leider nicht mehr, welches es war, werde es aber hoffentlich herausfinden) „Touch me again and I will fucking kill you!“ immer wieder mit einer packend-wütenden Stimme wiederholt hat. Das hat mich so gerissen, dass ich mich noch tausend Mal mehr über meinen neuen Patch mit denselben Worten von der Band gefreut hab.

Überhaupt muss ich nochmal extra ein paar Worte zu einem bestimmten Merch-Artikel von Petrol Girls verlieren: Die Frontfrau hat ein Zine dabei gehabt, das sie selbst gemacht hat. Ich habe sowieso viel Begeisterung für Zines übrig und dieses Zine ist für mich ein Paradebeispiel für ein politisches, selbst gemachtes, schön gestaltetes DIY-Zine. Es befinden sich unglaublich schöne Illustrationen, Schnipsel und Texte darin, die sich wirklich anzuschauen und zu lesen lohnen. Sollte Petrol Girls also in eurer Stadt sein: Geht dahin, schaut euch die Show an und nehmt auf jeden Fall eines der Zines mit!

Petrol Girls war der eine Grund, wieso ich das Konzert 2016 besser fand, als das letztes Jahr. Der zweite war, dass mir auch RVIVR besser gefallen haben, als letztes Jahr. Das lag aber vielleicht auch daran, weil ich sie dieses Jahr besser sehen konnte. Die Band tritt unglaublich kraftvoll auf mit einem super Klang. Die beiden Frontmenschen haben eine unglaublich tolle Show gemacht, bei den beiden meine ich immer so richtig zu merken, dass sie das lieben. Stimmlich passt das Duo super zusammen und ich mag auch ihre Texte unglaublich gerne.

Mit der Musik fühle ich mich irgendwie sehr aufgehoben, weil mich die Texte fesseln und RVIVR musikalisch echt was auf dem Kasten hat. Auch wenn sie mir live besser gefallen, höre ich deren Musik sehr gerne auch so als mp3. Ich mag die Pop-Rock-Elemente, die darin enthalten sind, auch wenn ich das Genre der Band nicht so richtig einordnen kann (aber auch, weil ich Laie bin und mich da immer eher schwertue).

RVIVR ist ebenfalls eine politische Band, die sich klar gegen Sexismus und Homosexuellenfeindlichkeit positioniert. Im Jahr davor haben sie im Kafe Kult den Moshpit auf eine, wie ich fand, sehr coole Art und Weise kritisiert, in dem sie gesagt haben, sie finden es schlimm, wenn sich Männer zu ihrer Musik gegenseitig verletzen. Ich meine, dass dieses Jahr spürbar war, dass sich die Leute an das Statement erinnert haben.

Also gilt auch für RVIVR: Ihr seht eine Konzertankündigung mit der Band?
Geht hin! Es ist wichtig solche Bands zu supporten, die politisch sind, die sich in einer so stark männerdominierten Szene versuchen durchzusetzen. Außerdem machen sie einfach Hammer Musik!

„Das stört den Lesefluss“ -.-

Seit langem wollte ich etwas über Gendern auf meinem Blog schreiben, damit Leser_innen wissen, warum ich gendere und warum ich so gendere, wie ich gendere. Aus aktuellem Anlass erkläre ich das jetzt ein Stück weit.

Ich dachte, ich hätte vor etwa zwei Jahren das letzte Mal diese nervige Diskussion um Gendern beim Schreiben und in der Sprache geführt. Früher habe ich sie ja sogar gerne geführt, weil ich dachte, ich würde dadurch Leuten etwas Gutes tun. Mit der Zeit haben sich die meisten als sehr kritikresistent erwiesen und irgendwann war ich es müde Erklär-Sqrrrl* zu sein. Also habe ich den Leuten nur noch Texte empfohlen, Broschüren zu gendersensibler Sprache usw.

Jetzt muss ich die Diskussion wieder führen, diesmal geht es darum, ob ich in Artikeln, die ich veröffentliche, gendern darf oder nicht. Dabei werden als Argumente dieser allseits bekannte „Lesefluss“ genannt, sowie die fehlende einheitliche Linie des Mediums. Beides macht mich wütend.
Wenn eine einheitliche Linie fehlt, dann ist das genau der Grund, weshalb ich durchaus gendern kann, wie ich will! Und wenn eine einheitliche Linie gefunden wird, die ich für politisch falsch halte, dann braucht das Medium auch meine Texte nicht, da sich diese durchaus manchmal um Themen rund um Geschlecht drehen.

In meinem Studium bekommen Leute Punktabzug, wenn sie in ihren Hausarbeiten nicht gendern oder gar die furchtbare Fußnote am Anfang der Arbeit setzen mit dem Inhalt „Wenn ich die männliche Form verwende, meine ich eigentlich alle.“ und diese Leute bekommen den Punktabzug zurecht, wenn extra darauf verwiesen wird und gesagt wird, dass gendern notwendig ist.

Die Entscheidung zu gendern oder es nicht zu tun, ist keine sprachliche. Sie hat nichts mit dem Lesefluss oder irgendeiner „Verschandelung der deutschen Sprache“ zutun. Es ist eine Politische. Und alle Leute, die schreiben, sprechen und publizieren, treffen sie notwendigerweise. Es ist die Entscheidung, ob ich Frauen, Trans-, Inter- und andere queere Personen auch meinen und miteinbeziehen möchte oder ob ich sie durch meine Sprache ausschließen will.

Wenn mir jemand sagt, sie_er würde sich durch gendern im Lesefluss gestört fühlen, dann habe ich exakt das erreicht, was ich wollte: Irritation. Irritation darüber, dass die Grenze der Zweigeschlechtlichkeit gesprengt wird (wenn ich mit Unterstrich oder Sternchen gendere, was ich immer tue) oder auch Irritation darüber, dass sprachlicher Androzentrismus infrage gestellt wird (wenn ich mit Binnen-I (z.B.: JournalistInnen) oder ähnlichen Formen gendern würde).

Oft bekomme ich zu hören: „Benutz doch einfach gar keine gegenderten Wörter mehr.“ Darauf kann ich nur erwidern, dass Geschlecht nicht dadurch verschwindet, dass wir nicht mehr davon und von den Folgen der Kategorisierung sprechen. Wenn wir nur noch höchst komplizierte Ausdrücke verwenden, beispielsweise anstatt von „Politiker_innen“ nur noch von „Politiktreibenden“ sprechen, dann ist das eigentliche Ziel, nämlich Sichtbarmachung und Irritation, nicht erreicht. Das Argument klingt für mich, als käme es aus der Postgender-Ecke, in der geglaubt wird, von spezifischen Geschlechtern zu sprechen reproduziere Ungleichheit, daher dürfe man nur noch von Menschen sprechen. Das macht aber die Ungleichheit einfach nur unsichtbar und lässt sie nicht verschwinden.

Viele Leute können auch ein Binnen-I gerade noch so verkraften oder ein „Journalisten und Journalistinnen“, doch was sie nicht mehr verkraften, ist der Unterstrich oder das Sternchen. Und das sagt etwas über gesellschaftliche Zustände aus.
Ich persönlich will mit Unterstrich gendern aus folgendem Grund: Der Unterstrich bezieht für mich Geschlechter abseits der Zweigeschlechtlichkeit ein. Wenn ich irgendwo einen Unterstrich sehe, dann weiß ich: „Cool, ich bin mitgemeint!“ Es würde für mich keinen Sinn machen, mich selbst und andere , die ich eigentlich mitmeinen will, nicht in meiner Sprache zu repräsentieren. Wieso auch?
Soweit ich das bisher weiß, gibt es keinen Unterschied zwischen Sternchen und Unterstrich. Ich habe mich deshalb für den Unterstrich entschieden, weil er die Lücke größer und leerer macht, als das Sternchen. Aber ich denke, das ist mehr eine Geschmackssache.

Es gibt auch den flexiblen Unterstrich (z.B. Journa_listinnen), den Menschen verwenden, um die Dichotomie „Mann – Frau“ aufzubrechen. Damit soll „Mann – Frau“ nicht mehr als Gegensatz funktionieren, sondern nur als zwei Geschlechter in einem breiten Spektrum, wo es nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb von „Mann – Frau“ noch einiges gibt. Diesen Unterstrich finde ich auch gut und verwende ich auch manchmal…

Um noch kurz ein paar Worte zum mündlichen Gendern zu verlieren: Ich spreche den Unterstrich als Pause, unterbreche also auch hier den Redefluss (ohje, der arme Redefluss). Das versuche ich so konsequent wie möglich, funktioniert aber nicht immer einwandfrei. Meiner Ansicht nach ist das eine Sache der Gewohnheit: Anfangs habe ich es oft vergessen, mittlerweile ist es in meinem Sprachgebrauch einfach die Norm, weshalb ich nicht mehr groß darüber nachdenke, sondern es automatisch passiert.

Vegane Macarons in München: Principessa’s

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Vor einiger Zeit habe ich das Principessa’s in München entdeckt, aufgrund eines Blogposts auf Ein Bisschen Vegan.

In dem Laden kann man Macarons kaufen, in vegan und unvegan. Aber pro Tag sind eigentlich immer fünf vegane Sorten da, ich habe insgesamt sechs Sorten probiert, weil ich zwei Mal da war: Cassis, Himbeere, Mango, Schokolade, Kokos und Pistazie. Ich warte noch auf Salted Caramel, das im anderen Blogpost erwähnt wurde und vermutlich sofort zu meinem Favoriten werden würde, weil alles, was mit Karamell zutun hat und vegan ist, per se wunderbar sein muss.

Der Laden ist an sich sehr klein, es gibt Kaffee, einige Sitzplätze (auch draußen) und eine große Theke voller Macarons. Von außen fand ich ihn schon ziemlich sympathisch, weil er klein und gemütlich wirkt und es auch ist. Mir persönlich wäre er etwas zu weiß-clean, aber das ist vermutlich meine Begeisterung für holzig-dunkles Ambiente… Außerdem war er superschön dekoriert, was das weiß-cleane auch etwas übertönt hat.

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Und nun zu den Macarons: Ich habe einmal für meine Mitbewohnerin ein nicht-veganes Macaron gekauft und sonst immer nur vegane. Macarons sind kühl zu lagern und sollten auch nicht den ganzen Tag in der Tasche sein, bevor sie zuhaue in den Kühlschrank kommen. Wenn man sie kauft, haben sie die optimale Temperatur zum essen. Werden sie zuhause nochmal gekühlt, sollte man sie 15-20 Minuten vor dem Verzehr wieder aus der Kühlung nehmen. Erstaunlicherweise scheinen die veganen Macarons etwas robuster zu sein: Während mir das unvegane etwas gebrochen ist und wirklich sehr luftig schien, halten die veganen Macarons mehr aus.

Was ich schade finde, ist, dass die Veganen alle rein weiß sind. Sie werden zwar aufwendig und sehr schön dekoriert, aber sie könnten auch vegan bunt gefärbt werden. Das mag nach Erbsenklauberei klingen, aber Macarons sind eigentlich immer bunt gefärbt, sowohl der Teig, als auch die Creme zwischen dem Teig. Das gehört irgendwie für mich zu dieser Süßigkeit dazu. Aber die Deko sollte ansonsten beibehalten werden, die sah nämlich wirklich schön aus. Manchmal waren es sehr kleine Zuckerkristalle, manchmal Schokolade oder kleine getrocknete Fruchtstückchen.

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Vom Geschmack her haben alle Macarons unterschiedlich und sehr intensiv geschmeckt. Vor allem bei Cassis und Himbeere glichen sich die Geschmacksrichtungen aber etwas an, weil beides einfach süß und fruchtig geschmeckt hat, die spezifischen Geschmäcker aber nicht so stark rauskamen. Die Cremé war von der Konsistenz her super, der Teig könnte etwas weniger knusprig sein – wobei ich mich hier doch frage, ob er das tatsächlich könnte. Ich finde es sowieso schon eine herausragende Leistung, so gut vegane Macarons herzustellen.

Die veganen Macarons haben pro Stück 1,90 Euro gekostet. Das ist ganz schön happig, ist aber, denke ich, ein normaler Preis für Macarons. Die Teile sind leider einfach so oder so sauteuer und die Nicht-Veganen kosten da auch nicht weniger. Trotzdem natürlich schwer machbar für Geldbeutel, der wie meiner öfter mal leer ist.

Trotz allem war ich ziemlich begeistert von diesem Laden, der es mir möglich gemacht hat, endlich etwas zu probieren, das ich schon lange probieren wollte. Ich werde auf jeden Fall wieder hingehen und hoffentlich spannende neue Sorten schmecken können. Und diese Sache mit dem Salted Caramel Macaron wird mich sowieso immer wieder dorthin treiben…

Heidelbeer-Nuss-Schnitten

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Ich war auf einer Gartenparty und dachte mir, ich probiere mal raw aus. Eigentlich mag ich diesen ganzen Hype um #gesundleckervegan und #healthyfood nicht, weil ich etwas gegen diese neoliberale Körperoptimierung habe. Aber weil ich etwas Kaltes, Schichtiges wollte und mir das Rezept durch meine Schwester quasi entgegengeflogen ist, dachte ich mir: I have to try!

Also sind folgende Schnittchen entstanden:

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Wie ich das gemacht habe? Ich hatte wieder ein Grundrezept, aus dem ich einige Zutaten gestrichen habe, die mir unwichtig und zu teuer erschienen. Daher hier ein Versuch, ein sehr teures Rezept billiger zu gestalten mit ähnlichem Ergebnis.

Ihr braucht:
170g Walnusskerne
200ml Kokosöl
200g Datteln (entsteint)
500g Cashewkerne
70ml Ahornsirup
150g Heidelbeeren (frisch, nicht tiefgefroren)
30g Mehl
30g Koksraspeln
einen Pürierstab
eine Backform (10x25cm)

Zu allererst trennt ihr 450g und 35g Cashewnüsse in zwei unterschiedliche Schalen und bedeckt die Nüsse mit Wasser. Beide Schalen lasst ihr zwei Stunden stehen, sodass die Nüsse eingeweicht werden.

Dann fangt ihr an die unterste Schicht herzustellen. Dazu werden die Walnüsse mit einem Pürierstab fein gemahlen/püriert. Danach werden 60ml Kokosöl im Wasserbad zerlassen und mit den Datteln den Nüssen hinzugefügt. Das Ganze wird dann nochmal fein püriert und etwa eineinhalb Stunden in einer Backform verstrichen (10x25cm) in den Kühlschrank gestellt.

Wenn die Nüsse aus dem ersten Schritt zwei Stunden standen, püriert ihr die 450g zusammen mit dem Einweichwasser, dem Ahornsirup und 20ml Koksöl. Die Masse, die dadurch entsteht, wird auf der untersten Schicht, die eineinhalb Stunden kühlen konnte, verstrichen. Danach kommt die Backform in die Tiefkühltruhe und das für etwa zwei Stunden.

Während beide Schichten durchfrosten, wascht ihr die Beeren, lasst sie abtropfen und püriert die restlichen 35g Cashewkerne mit dem Einweichwasser, den Heidelbeeren, dem restlichen Kokosöl, dem Mehl und den Kokosraspeln. Die Creme kommt dann als letzte Schicht auf die beiden durchgefrosteten anderen Schichten. Alles zusammen muss nochmal etwa drei Stunden im Gefrierfach stehen, bevor ihr es etwa eine halbe Stunde vor Verzehr rausstellt und auftauen lasst.

Tipp: Ihr könnt die Masse auch mal mit anderen Nüssen ausprobieren. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass in der mittleren Schicht auch Haselnüsse sehr lecker schmecken.

Da mir bei diesem Rezept aufgefallen ist, wie teuer das ganze Ding war, habe ich beschlossen, zukünftig Preisangaben bei den Rezepten zu machen. Bei dem Rezept musste ich so gut, wie alles neu kaufen, daher komme ich auf einen Preis von: 20 Euro. Nächstes Mal mache ich es wesentlich cheaper durch andere Nüsse bspw.